Abwägungen

 Verfasst am 11.05.2020

Nikolaus Klein, Chefredakteur RAS

RAS Editorial Mai 2020

Inzwischen hat sich jeder schon die Frage in dieser Corona-Pandemie-Krise gestellt: Was passiert hier eigentlich gerade mit uns? Wie wird sich die Rückkehr zu einer gewissen Normalität darstellen?

Bleiben wir einfach nur im Bausektor: Verkündeten gerade noch die Bundesstatistiker von DESTATIS, wie immer mit einigen Wochen Verzögerung, dass der Februar die höchsten Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe verzeichnet, nach einem noch besseren Januar – und es kommt COVID-19. Und schon ist im März auch die SHK-Branche plötzlich in einem nie gekannten und nie für möglich gehaltenen Krisenmodus. Branchenmessen abgesagt oder (noch) verschoben, Großhandels-Ausstellungen bestenfalls im Stand by, Lieferketten müssen gesichert werden. Denn wenn beispielsweise keine Speicher oder Kabelbäume aus der Produktionsstätte irgendwo in Europa, China – oder wo auch immer – herkommen, können auch die deutschen Hersteller keine Heizung mehr fertigen und ausliefern. Dann wird die Produktion eben umgestellt auf Beatmungsgeräte und andere nun benötigten Produkte werden gefertigt. Die Inhaber bzw. Manager, vom Fachhandwerksbetrieb bis hin zum Großhandels- und Industrieunternehmen, sind und bleiben – immer auf Sicht – gezwungen zu handeln. Und so kommen, wie in jeder „normalen“ Unternehmens- oder Branchenkrise auch, die bekannten und verständlichen Reflexe zu Tage. Denn Liquidität sichern ist jetzt das oberste Ziel. Also Kurzarbeit beantragen, Marketingbudgets anpassen, Kapazitäten anpassen, dies nach einer kurzen Phase der Liefersicherung von Schnelldrehern im Handel und Handwerk, oder eine 300 Mio. Anleihe zu einem günstigen Zinssatz aufnehmen, wie es ein Schweizer Branchenunternehmen jüngst tat. Parallel agierte die SHK-Branche sehr aktiv, wie die vielen Meldungen zur Unterstützung und wichtigen Hinweisen für die derzeitige Zusammenarbeit mit den Branchenpartnern zeigten und zeigen (u.a. zu finden auf unserer ständig aktualisierten Internet-Sonderseite unter www.shk-tv.de/corona). So wurden bei den Unternehmen in den vergangenen Wochen sehr schnell die vertrieblichen Aktivitäten umorganisiert, Stichworte sind hier zusätzliche Angebote von Webinaren, Telefonakquise bzw. Video-Chats, digitale Ausstellungen über die Firmen-Webseiten etc. Aber auch der zu beobachtende solidarische Umgang mit den Kunden und einem gegenseitigen Verständnis für die Situation, soll nicht unerwähnt bleiben. Auch wenn die Baubranche in Deutschland, anders als in vielen anderen europäischen Ländern, von der Politik in die Lage versetzt wurde, die Baustellen offen zu halten und so auch das Handwerk weiterarbeiten konnte – der SHK-Wirtschaftszweig bekommt die wirtschaftlichen Auswirkungen natürlich auch zu spüren. Wie und in welchem Umfang? Und ist die Heizungswirtschaft dann besser gewappnet für diese Aufgaben als die Sanitärwirtschaft? Das ist vielleicht jetzt nicht die Frage, die es zu stellen gilt. Keiner möchte jetzt schon der Überbringer schlechter Nachrichten sein. Wichtiger ist jetzt abzuwägen, wie die Leistungen der Branche in Summe interessant und sichtbar für Bauträger und Endkunden bleiben. Und hier sind die digitalen Medien nicht erst seit Corona eine Möglichkeit. Aber auch die Kommunikation in Ausstellungen und die persönliche Beratung durch das Fachhandwerk bleiben weiterhin wichtige Bausteine. Genauso wie die Branchenkommunikation durch Fachmessen und Fachinformationen. Nun sind erst einmal Lockerungsübungen aus dem Lockdown die Aufgabe der Stunde. Die Meinungsvielfalt nimmt zu, wie nun der Übergang in ein (neues) gesellschaftliches und auch wirtschaftliches Miteinander am besten gestaltet werden kann. Mit den nun wieder in Deutschland gelebten Unterschieden von Bundesland zu Bundesland von Stadt zu Stadt und von Kommune zu Kommune. Es ist zu hoffen, dass bei aller Herausforderung für jeden von uns, für die Unternehmen jeder Größenordnung, die Ratio und der Zusammenhalt bestehen bleibt.

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