Öko-Hype, Ölheizung und verödete Landschaften?

 Verfasst am 28.08.2019

Öko-Hype, Ölheizung und verödete Landschaften?

Mal ehrlich, wär hätte das gedacht: Das Thema Ökologie ist plötzlich in aller Munde. Irgendwie redet jeder mit und hält seine ganz persönliche Meinung parat. Es vergeht kaum ein lauer Sommerabend im Kreis der Freunde, ohne über dieses Thema gesprochen zu haben. Jeder will etwas tun, die Plastiktüte wird zum „NO-GO“ erklärt und guten Gewissens trinkt man bei parlieren ganz gepflegt sein Pils aus der Pfandflasche. Immerhin. Im gleichen Atemzug redet man aber auch über die geplanten Spätsommerurlaube die uns dorthin führen, wo es noch warm ist im Herbst. Mit dem Flugzeug auf die Kanaren, in die Karibik natürlich auch. Und selbstverständlich hat jeder sein maßgeschneidertes Argument parat, mit dem er genau diese „kleine Sünde“ rechtfertigt. Der eine verzichtet auf Fleisch und sorgt sich darüber, dass mehr Getreide für Rinderzucht und Viehfutter angebaut wird, als für den direkten Lebensmittelkonsum. Der andere fährt einen Hybrid-SUV und ist damit stolz auf seinen Beitrag zur Senkung der Schadstoffemission. Jeder tut etwas, doch bringen tut´s wahrlich nicht genug.

Was machen wir also? Schauen wir auf unsere Branche: Sollten jetzt wirklich alle Ölheizungen verboten werden? Moderne und effiziente Ölbrennwertgeräte, vielleicht mit einer Solarthermie gekoppelt, sind doch gar nicht so schlecht? Wurde doch dank ausgefeilter Technik der Heizölverbrauch in den vergangenen Jahren schon deutlich gesenkt. Das alleine kann die Lösung also nicht sein. Denn was passiert gleich hinter der Grenze bei unseren Nachbarn in Polen? Dort bullern in Millionen Wohnungen völlig überalterte Öfen auf Hochtouren. Mehr als 60 % der Haushalte heizen noch mit Kohle und allem möglichen anderen Zeug, das brennt – bis hin zu Müll. Und während wir uns einen Kopf darüber machen, wie man bei uns sinnvoll heizen sollte und das Weltklima retten kann , zeigen Satellitendaten aus Brasilien, dass im Juli das Tempo, mit dem am Amazonas Bäume gefällt werden, um 278 % über dem des Vorjahresmonats lag. So liegt die Abholzungsrate aktuell bei drei Fußballfeldern pro Minute(!). Der Regenwald stirbt und das ist ein Super Gau. Wie wir nun im kleinen Deutschland heizen, spielt für das globale Klima dann doch eigentlich keine Rolle mehr, oder ?

So dürfen wir das aber nicht sehen. Alte Heizsysteme, egal ob mit Öl Gas oder sonst etwas betrieben, müssen bei uns und weltweit optimiert werden. Das ist sicherlich nur ein kleiner Baustein im großen Konstrukt. Dringendes Handeln auf vielen Ebenen ist erforderlich und das sind wir künftigen Generationen schuldig. Der Umdenkprozess hat begonnen, es passiert etwas in unseren Köpfen und wir wollen auch etwas tun. Ganz nebenbei finden hier wieder Ökologie und Ökonomie zusammen. Auch Brasilien kann gewiss Alternativen zur Abholzung finden und Arbeitsplätze sichern. Machen wir Druck, doch vorher planen wir bitte unsere nächste Heizung, den  Einkauf und den nächsten Urlaub ein wenig bewusster – und vor allem ökologischer!

Marcus Heinrich

stellvertr. Chefredakteur RAS