Zeit gewinnen

 Verfasst am 02.11.2018

Monteurfahrzeuge, die über Nacht vom beauftragten Großhandel beladen werden, ein Installationsmaterial- und Werkzeugservice nicht nur bis zur (Groß)-Baustelle, sondern bis in die entsprechenden Räumlichkeiten, in denen am Tag installiert werden soll – dies ist nicht mehr nur Zukunftsmusik. So möchte beispielsweise die GC-Gruppe mit derartigen Services für das installierende Fachhandwerk „kostbare Installationszeit“ auf den Baustellen gewinnen. Dass die Nachtbeladung von Fahrzeugen des Handwerks mit den benötigten Materialien schon kurz vor einem bundesweiten Angebot zu stehen scheint, belegen die beiden Pilotprojekte in Dresden und Berlin. Auch die Kommentare von Seiten der Verarbeiter, die unsere Redaktion nach Veröffentlichung des Gespräches zwischen Thomas Werner und Arno Kloep erhielt (s. RAS Ausgabe Oktober, Seite 24), waren durchaus zustimmend.

Das solche Dienstleistungen nicht mehr nur der Kundenbindung dienen, sondern eine Antwort auf die knappe Ressource Installationszeit gerade in Deutschland geben sollen, zeigt die Notwendigkeit für solche Ansätze. Einher gehen damit vielleicht auch Überlegungen, höhere Eintrittsbarrieren für Anbieter aus dem Online-Marktplatzsegement zu schaffen. Da das Multi- oder Omnichannel-Thema immer öfter als Alternative zur der- zeitigen Vertriebsstruktur genannt wird, sind Antworten gerade von Seiten des Großhandels offenbar stärker gefordert. Wie sich letztendlich ein Vertriebsweg 2.0 ausgestaltet und welches Einkaufsverhalten das Fachhandwerk dann an den Tag legt, das muss sich zeigen.

Fakt ist, die Diskussion über Veränderungen innerhalb der Vertriebswege nimmt immer mehr Fahrt auf. Und das mit mehr oder weniger tragfähigen Argumenten bzw. Antworten. Gerade die Hersteller im Armaturenbereich scheinen aber aufgrund der „Versendefähigkeit“ der Produkte und in Bezug auf den Vertrieb über alle Kanäle (nach)gefragt zu sein. So sollte man zum einen eine Aussage zur Kenntnis nehmen, die auf der Mitgliederversammlung des Fachverbandes Armaturen von Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbands für Onlinehandel (BVOH), getroffen wurde: „Der dreistufige Vertrieb wird nicht auf ewig aufrecht zu erhalten sein, die Hersteller müssen selbst Online-Plattformen anbieten und zu Partnern der Internet-Händler werden. Dies setzte die Bereitstellung entsprechender Daten voraus, auf deren Grundlage man unter anderem eine ´digitale Brücke´ nach China schlagen könne, um dort den eigenen Vertrieb auf den großen dortigen Internet-Marktplätzen zu stärken.“

Zum anderen gibt es Meldungen, wie etwa aus dem Hause Hansa, die eine enge Kooperation mit den Elements-Ausstel- lungen verkünden.

Bei all diesen Entwicklungen rund um die Warenströme in unserer Branche wird eines entscheidend sein: Wem es wirklich gelingt, mit einem weiteren Klick nicht mehr nur den Online- Verkaufspreis für das Produkt, sondern auch den festen Preis inklusive Installationsleistung (möglichst mit dem genauen Zeitpunkt der Installation) verbindlich zu verkaufen, der bewirkt eine Veränderung des Vertriebsweges, zumindest für Sanitär vor der Wand. Spätestens dann haben Fachhandwerksbetriebe ein noch größeres Mitarbeiterproblem. Denn es werden ihre Monteure sein, die für solche Geschäftsmodelle benötigt werden. Die Zeit läuft.