Wie digital wollen wir im Badezimmer sein?

 Verfasst am 01.10.2018

Ist es erstaunlich – oder doch eher nicht? Mehr als die Hälfte der Deutschen wünscht sich digitale Anwendungen im Bade- zimmer. Das hat das Marktforschungsinstitut GfK bei einer Umfrage herausgefunden, die von der Initiative Blue Responsibility in Auftrag gegebenen wurde (mehr dazu auf Seite 32 im Innenteil dieser RAS-Ausgabe). Smart Home-Lösungen im Sanitärbereich seien der Markt der Zukunft. So weit so gut. Gehen wir zunächst einmal ein wenig skeptisch an dieses The- ma heran: Denn haben wir in den letzten Jahren in Zusammenhang mit dem Badezimmer immer von einem stressfreien Rückzugsort und einem Raum der Entspannung und Entschleunigung gesprochen, werden wir nun zunehmend auch in diesem Refugium von Hightech überrollt, was uns erster Linie mit unaufhaltsamer Schnelligkeit oder Dauererreichbarkeit rund um die Uhr beschäftigt. Darüber hinaus muss man hoffen, dass alle elektronischen Anwendungen in der „Wohlfühloase Bad“ auch sicher und vor Fremdeinwirkungen geschützt sind. Denn wer will schon die Licht- oder die Dusch- WC-Steuerung, den Wassereinlauf in die Wanne oder die Programmierung der Heizung in die Hände von Unbekannten oder sogar Verbrechern geben, die ganz andere „Interessen“ ver- folgen? Vermutlich niemand. Steigern wir uns in dieses The- ma hinein, erinnern wir uns sogar an die Volkszählung Ende der 80er Jahre und den Widerstand, den es damals in Sachen Datenschutz gegeben hat. Bereits heute und erst recht in Zukunft lassen wir vielleicht ganz ohne Skepsis zu, dass ein WC unsere intimsten Gesundheitsdaten auslesen und an Krankenkassen und Co. versenden kann. Vorsicht sollte also in dieser Hinsicht unbedingt geboten sein. Doch die Thematik hat natürlich auch ihre positiven Seiten. Beim steigenden Umweltbewusstsein in der Bevölkerung sollte man die ressourcenschonenden Vorteile der digitalen Anwendungen nicht außer Acht lassen, was auch von der GfK-Stu- die bestätigt wird. Energie sparen – auch und gerade im Badezimmer – spielt bei immerhin knapp der Hälfte der Deutschen demnach eine große Rolle. Die Bedeutung dieser Einsparung werde zudem dadurch unterstrichen, dass der Aspekt „Entertainment und Information“ mit 25 % weitaus weniger wichtig erscheint als das Thema Nachhaltigkeit. Es bleibt also Hoffnung für die „Entspannungszone Bad“. Und bitte Smart Home-Anwendungen nur dort, wo sie auch wirklich Sinn machen.