Werbung für das Wohnbad?

 Verfasst am 05.05.2018

Das mit dem Endkunden und seinen Plänen zur Badezimmer-Modernisierung ist immer wieder so eine Sache. Wollen tut er es aber machen kann oder will er es nicht, zumindest nicht gleich. Denn wirklich leicht und schmackhaft gemacht wird ihm diese Entscheidung derzeit gerade wenig, positive Impulse prasseln kaum noch auf ihn ein.
Doch der Reihe nach. Blicken wir zurück auf die gerade zu Ende gegangenen Regionalmessen. Gut besucht vom Handwerk und schön präsentiert von der Industrie, gibt es an pfiffigen Sanitärprodukten in Deutschen Badezimmern reichlich zu verbauen. Doch die Gespräche auf und rund um die Messen drehten sich um ganz andere Themen. War das Augenmerk weniger auf das Design und Einzigartigkeit der Produkte gerichtet, sprach man vielmehr und fast überall von dem Problem des fehlenden Nachwuchses und über die Personalengpässe beim Handwerk sowie über die Frage, wie man künftig Baustellen noch viel schneller „abarbeiten“ kann. Das leidige Thema „verkaufen via Internet“ wollen wir hier erst gar nicht ansprechen. Das große Augenmerk richtete sich überdies auf ausgefeilte Befestigungstechniken und beispielsweise auf die Frage, wie man Accessoires oder Möbel mit nur drei anstelle vier Schrauben befestigen und wie man Produkte vor Ort noch schneller auf- oder abmontieren kann. Keine Frage, das beschäftigt das Handwerk doch der Endkunde registriert diese Themen ebenfalls. Und genau hier kommt nun das Kuriose zutage: Haben wir in den letzten Jahren nicht immer wieder versucht, dem Endkunden die Angst vor der Modernisierung zu nehmen? Haben wir nicht mit viel Engagement immer wieder darauf hingewiesen, sich einen Komplettanbieter zu suchen, der das „Bad aus einer Hand“ anbietet und die Koordinierung der Gewerke mit Festzeit und sogar mit Festpreis übernimmt und den Kunden damit Sicherheit garantiert? Das ist vielerorts mit Bravour gelungen und jetzt geht die ganze Diskussion um Vertrauensbildung wieder von neuem los. Wie soll denn ein Kunde ob der schlechten Meldungen noch mit gutem Gewissen und ohne Angst seinen Badumbau in Angriff nehmen wollen? Ob er jetzt bei oben genannten Diskussionspunkten beginnen möchte ist fraglich, er wird es sich zweimal überlegen und das Projekt erst einmal – wieder – aufs Eis legen und lieber seine nächste Kreuzfahrt buchen.
Hoffnung machte indes der Besuch – aus Sicht des Redakteurs –der schönsten Badezimmermesse „Salone del Bagno“ (diese Mes-se ist alle zwei Jahre in die Salone del Mobile integriert und fand gerade in Mailand statt). Denn hier standen einmal mehr das pure Design und der Komfortgedanke im Blickpunkt. Ganzheitliche Konzepte, traumhaftes Design bei nachvollziehbarer Funktiona-lität und perfekt dekorierte Wohnbäder begeisterten an vielen Ständen der Hersteller die Besucher. Interessant war dort auch zu beobachten, dass man überhaupt nicht mehr von barriere-freien Produkten sprach oder das Thema smart home in den Vor-dergrund gerückt wurde. Denn Hand aufs Herz, diese beiden The-men sind mittlerweile eine Selbstverständlichkeit und gehören einfach zur Markenproduktvielfalt dazu. Über Nachwuchspro-bleme oder Kapazitätsengpässe wurde überhaupt nicht gespro-chen.
Tja und genau hierhin muss der Weg nun wieder führen. Im Moment ist die Auslastung beim Handwerk sicherlich noch hoch, doch die Zeiten werden sich wieder ändern. Wir sollten uns daher alle wieder bei unserer Endkundenansprache ein wenig mehr auf die Schönheit der Badezimmerprodukte konzentrieren und dem Kunden – natürlich – in einem Nebensatz vermitteln, sich mit dem Start der Modernisierung vielleicht ein wenig gedulden zu müssen. Wenn dann aber der Zeitpunkt gekommen ist, wird er mit dem Ergebnis seines Komplettanbieters ganz sicher sehr zufrieden sein. Das Handwerk, der Handel und die Industrie sind es dann sowieso.